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Lützeler seit 1906

Geschichte seit 1906
Mutig musste man schon sein, um im Jahr 1906 ein Fahrradgeschäft in Erftstadt-Gymnich zu eröffnen. Schließlich waren Fahrräder damals noch Luxusartikel. Doch Wilhelm Lützeler hatte wohl den richtigen Instinkt und vor allem: er hatte die nötige Portion
Geschäftssinn, die anderen in seiner Generation fehlte. Als Wilhelm Lützeler am 6. März 1906 das erste
Fahrradgeschäft im Umland von Köln eröffnete, konnte er noch nicht ahnen, dass Köln schon bald zu einer der Hochburgen des Radsports in
Deutschland werden sollte. Zunächst machte aber der Erste Weltkrieg alle geschäftlichen Hoffnungen
zunichte und Wilhelm Lützeler musste seine Familie zeitweise als Lokomotivführer durchbringen. Nach den schweren Kriegsjahren und der Inflation von 1923 setzte der sparsame Unternehmer auf ein weiteres Standbein: Motorräder. Motorradrennen waren eine der beliebtesten Attraktionen der Zeit und manch einer konnte sich in den „Goldenen Zwanzigern“ bereits selbst ein Motorrad leisten. Als es in Gymnich bereits drei Fahrradgeschäfte gab, entschloss sich Wilhelm Lützeler 1931 ins größere Kerpen überzusiedeln. Auf der heutigen Kölner Straße wurde der Kundenstamm vergrößert und die neu errichtete Tankstelle deckte den zunehmenden Treibstoffbedarf der motorisierten Bevölkerung. “Willem“, wie ihn viele im Dorf nannten, blieb bis ins hohe Alter ein umtriebiger Mensch. Auch nachdem er
das Geschäft nach dem Zweiten Weltkrieg an seinen Sohn übergeben hatte, war er doch bis zu seinem Tod aus dem Laden nicht mehr wegzudenken. Trotz der Namensgleichheit - Wilhelm Lützeler junior wollte so gar nicht nach dem Vater kommen. „Der war ein Draufgänger, ein Abenteurer”, erinnern sich auch heute noch viele ehemalige Weggefährten. Schon als kleiner Knirps besaß er eines der ersten Rennräder weit und breit. Vielleicht wurzelte darin auch seine Liebe zum Motorsport. Auf Jahrmärkten trat er mit waghalsigen Darbietungen auf seiner “Höllenmaschine” auf und als Motorrad-Rennfahrer konnte er zahlreiche, auch überregional bedeutende Siege feiern. Wie so viele seiner Generation hatte es auch
Wilhelm Lützeler jun. nie leicht gehabt. Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit hatten die Kaufkraft
enorm vermindert. Abbezahlt wurden die Fahrräder daher in Raten - vorzugsweise am Sonntag nach dem Kirchgang. Mit dem Wirtschaftswunder der 50er Jahre nahm auch dieMotorisierung der Bevölkerung stark zu. Dabei verdrängten legendäre Motorradmarken wie NSU, Triumpf oder Zündapp die Fahrräder aus dem Ladenverkauf. Ein bis dahin ungeahnter Aufschwung setzte ein, ebbte aber in den 60er Jahren genauso schnell wieder ab. Wer etwas auf sich hielt, fuhr jetzt ein Auto. Wilhelm und seine Frau Olga, die seit 1958 die Geschicke des Geschäfts mitbestimmte, trotzten durch neue Ideen den schwerer werdenden Zeiten: Ob Schlitten, Rasierapparate oder Kinderwagen - über die Ladentheke des Zweiradgeschäftes Lützeler ging in dieser Zeit so manch außergewöhnlicher Artikel. Auch durch die Vermietung eines Teils der Ladenfläche an ein Schuhgeschäft hielt man sich in den 60er und 70er Jahren über Wasser. Der heutige Firmeninhaber Walter Lützeler übernahm das Geschäft nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1985. Zum damaligen Zeitpunkt hatte er bereits jahrelange Erfahrung im elterlichen Geschäft sammeln können. Bereits als Jugendlicher hatte er sich als „Mofafrisierer“ ein Zubrot
verdient - so etwas war damals noch gefahrlos möglich. Mit den 80er Jahren setzte dann ein neuer Fahrradboom ein: Fahrradfahren wurde zur beliebten Freizeitbeschäftigung quer durch alle gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen. 1984 kamen schließlich die ersten Mountain-Bikes in die Fahrradgeschäfte. „Wenn anfangs auch die breiten Reifen belächelt wurden, entwickelten sich die
Mountain-Bikes in kürzester Zeit zu einem wirklichen Verkaufsschlager“, erinnert sich Walter Lützeler.
Neue erfolgreiche Modelle waren entscheidend für die Expansion des eigenen Geschäfts, das 1986 und
erneut 1998 deutlich vergrößert wurde. Nicht zuletzt stieg in dieser Zeit die Zahl der Mitarbeiter deutlich an. Mit der räumlichen Vergrößerung ging auch eine Spezialisierung einher: Seit 1990 verkauft das Radsport-Center ausschließlich Fahrräder und in zunehmendem Maße auch Fahrradzubehör. Gehörte zu
Zeiten des Unternehmensgründers Wilhelm Lützeler zu einem Fahrrad allenfalls eine Klingel und ein Schloss, wuchsen die Ansprüche an zusätzliches Equipment in den 90er Jahren enorm. Wer hatte sich in den 20er Jahren schon Gedanken über einen Helm oder gar den Feuchtigkeitstransfer bei Fahrradtrikots
gemacht? Heute ist das Radsport-Center Lützeler der führende Fahrrad-Händler im Erftkreis mit vielen Kunden aus dem nahe gelegenen Köln. Mit den drei festen Mitarbeitern und einigen Aushilfskräften
haben Gerda und Walter Lützeler eine Kompetenzteilung vollzogen. In der Werkstatt sind sie nur noch selten anzutreffen. Wichtiger ist für die beiden der Verkauf und das Marketing. Denn die Angebote sind auch in den letzten Jahren immer vielschichtiger geworden: Auf einer Verkaufsfläche von mehr als 800 m² findet sich heute vom Kinder-Rad für 99 Euro bis zum High-Tech-Rennrad für 6.000 Euro alles, was das Radsportlerherz begehrt. Besonders wichtig ist der Familie Lützeler die Kundennähe. Neben dem Verkauf sind daher vor allem der Servicebereich und die kompetente Beratung von großer Bedeutung. Über 5.000 Stammkunden zeugen von einer hohen Kundenzufriedenheit, die Walter Lützeler auf seinem eingeschlagenen Weg bestärken. „Diesen Service kann Ebay nicht bieten“, ist auch Gerda Lützeler überzeugt, die seit Jahren die erste Ansprechpartnerin für alle Kunden ist. Walter Lützeler ist noch nach über 35 Jahren im Fahrradgeschäft ein begeisterter Radfahrer, dem besonders die Nachwuchsförderung am Herzen liegt. Für die Vereine Victoria Kerpen und Staubwolke Quadrath tritt er bereits seit vielen Jahren als Sponsor auf. Seit 100 Jahren hat die Familie Lützeler nun bewiesen, dass man mit guten Ideen und Strategien immer wieder neue Herausforderungen bestehen kann. Mit ihrer Tradition und ihrem Know-How sind die Lützelers überzeugt, auch in der Zukunft die erste Adresse am Ort zu bleiben.